Der Engländer John Ernest Williamson gilt als Pionier der Unterwasserfotografie. Mit Hilfe seiner „Photosphere“ – eine am Ende eines langen Rohres befindliche Unterwasserkammer mit Luke – konnte er Foto- und Filmaufnahmen in den Tiefen des Meeres machen. Die Dokufiktion DIE WUNDER DES MEERES besticht durch ihre prachtvollen Bilder von Meereslebewesen, Tauchgängen und Schiffwrackerkundungen. Die neue Restaurierung des Österreichischen Filmmuseums, die sich auf Archivmaterialien aus Österreich, Frankreich, Australien und den Niederlanden stützt, feiert in Bonn ihre Weltpremiere.
DIE WUNDER DES MEERES nennt sich ein sehr guter Film, der sich seit gestern auf dem Spielplan der Union Bahnhofstraße findet. Ebenso genuß- wie lehrreich bietet er in vielseitiger Abwechselung nach Darstellung der Schiffsausreise und verschiedener tropischer Landschaften, einer Unterseestation und doppelter Taucherausrüstung, wunderbare Bilder aus der Tiefe des Meeres, aus dem Leben verschiedener Aktinien, Seesterne, Seeigel, Krebse, Quallen, Polypen, Fische usw. Interessant ist auch die Wanderung zweier Taucher auf dem Meeresboden und ihr Kampf mit einer Muräne, ferner die vorzügliche Darstellung eines Haifischfanges u. a. Wir möchten auf diesen Film besonders aufmerksam machen.
Bonner Zeitung, 19.9.1925
Sir J. E. Williamson ist sozusagen der Columbus der Meerestiefen. Die von ihm geschaffene Tiefseestation ermöglicht die Erforschung der Welt unter dem Meeresspiegel in ihrer Totalität. Von einem Kristallfenster aus hat man hier die Möglichkeit, die Zauber des Meeresgrundes gleichsam kaleidoskopisch an sich vorüberziehen zu lassen.
Das Wort des Schillerschen „Taucher“, „da unten aber ist’s fürchterlich“, wird durch diesen Film dementiert auf der ganzen Linie. Landschaften von zauberischer Schönheit enthüllt uns die Kamera, und man begreift die Magie, die die Welt unter dem Meere auf so viele ausübt.
Dieser Ansicht ist offenbar auch Lulu McGrath, die Nichte des Malers Asa Cassidy, die mit ihrem Onkel den Forscher Williamson auf seiner Reise begleitet und sich als leidenschaftliche Schwimmerin nicht nehmen läßt, den Meeresungeheuern da unten einen Besuch abzustatten.
Dieser Film erfüllt in idealer Weise die Sendung des Kulturfilms, den Horizont des Zuschauers zu erweitern, indem er ihn unterhält, ihm gleichsam en passant wissenschaftliche Erkenntnis vermittelt. Die Kämpfe auf dem Meeresgrund lösen ein Interesse aus von denkbar stärkster Intensität. Das Publikum folgte dem Film mit lebhaftester Anteilnahme. Teilweise mit zitternder Erregung, die sich zum Schluß in lebhaftem Beifall äußerte.
Film-Kurier, Nr. 108, 8.5.1925
This latest Williamson production differs from the past few that have been released, but is without doubt as interesting and as absorbing as any. Of course, there is a similarity with these under-sea pictures. This is more or less unavoidable, but the charm of the unknown and the splendor of the floor of the sea, the wonder and the beauty of submarine – vegetable and animal life, will always be attractive, and incidentally, tremendously valuable from an educational viewpoint.
As the under-sea camera catches the varying beautiful scenic effects, with lace-like plants and waving trees growing at the bottom of the sea; with myriads of fish of various sizes apparently swimming directly in front of the camera, attention is held to a far greater extent than many of the so called features do. It is all very absorbing; very interesting, and when to this there are added the thrills which come towards the very conclusion, it makes as a whole, a mighty well balanced worth while production of its own individual type.
The Film Daily, 29 October 1922
A remarkably interesting film depicting the wonders of the deep, with much beautiful photography and many thrillingly dramatic moments. It is 4,500 feet in length and worth playing as a feature.
By far one of the most unusual and most interesting pictures seen in some time. WONDERS OF THE SEA holds an audience as no ordinary drama could hold them. For this is real – there is nothing staged, with the possible exception of the pretty mermaid posing among the waving undersea vegetation, and this is so lovely that it can scarcely be called posing.
The film holds one spell-bound. Coral caverns where many colored and variously formed fish disport, a view of the strange sea anemone, the plant which eats animal matter, a baracuda, a shark, the deadly moray which one of the divers kills with his long spear, and the fight with the octopus – all this makes the best of film material because it is all real.
Exhibitors Herald, 9 December 1922