Ein einfacher Büroangestellter ist Ziel des Spotts seiner Kollegen. Doch nachdem der arme Außenseiter genügend Geld aufgebracht hat, um sich einen edlen Mantel zu kaufen, wendet sich sein Schicksal zum Besseren. Bis ihm der Mantel gestohlen wird, der ihm die lang ersehnte berufliche Anerkennung gebracht hat. Das Werk des berühmten ukrainischen Schriftstellers Hohol’ inspirierte dieses Schlüsselwerk des sowjetischen Stummfilms vom Regiepaar Kozincev und Trauberg. Die neue Restaurierung des George Eastman Museums lässt die vom deutschen Expressionismus beeinflusste visuelle Gestaltung des Films neu erstrahlen.
Mit diesem Film wechselten sie FEKS ihre Abgötter: weg vom amerikanischen Film – hin zum deutschen. Nicht mehr die Dynamik der Slapsticks, Gags, Exzentriker, nicht Werbung und die Attribute der Roaring Twenties dienten als Verfremdungsmittel für eine russische Geschichte, sondern in Vorbildern aus dem deutschen Film – DAS CABINET DES DR. CALIGARI, NOSFERATU, DAS WACHSFIGURENKABINETT – wurde die fremde Entsprechung zu Gogol gesucht. Das spürte die Kritik sofort auf: die Rezensionen strotzen vor Referenzen auf CALIGARI, RASKOLNIKOW, NOSFERATU und den Expressionismus. Der amerikanische Film war im russischen Verständnis mit Dynamik, Bewegung und Trick verbunden, der deutsche Film dagegen durch Licht-Schattenspiel konnotiert.
Der Werner-Krauss-Gang von Kostritschkin und die nächtliche Beleuchtung: Stil statt Dynamik – damit war die Entscheidung in den Augen der russischen Kritiker getroffen. […] Die Bewegung war auf ein Minimum reduziert. Deshalb wurde DER MANTEL als ein russischer expressionistischer Film rezipiert: „Es handelt sich hier um ein Versehen. Auf dem Plakat stand DER MANTEL nach Gogol. Es hätte eigentlich heißen sollen: DER MANTEL nach CALIGARI“, [so der Kritiker in Sowjetskoje kino, 1926].
Oksana Bulgakowa: FEKS. Die Fabrik des Exzentrischen Schauspielers. Berlin 1996
The interest of the FEX in Gogol was clearly formal as well as literary. Their subtitle to THE CLOAK explains that it is “a comedy in the Gogol manner”. In addition to that famous story the scenarist, Yuri Tinyanov, drew upon another Gogel story, “Nevsky Prospect”, showing a frustrating youthful adventure of the pitiful clerk of THE CLOAK.
It is in the direction and acting that the style of the film, a romantic brand of expressionism, is most clearly established. Andrei Kostrichkin as Bashmachkin is stylistically the piteous sleepwalker of CALIGARI, experiencing rather than producing terror. The tailor and his wife give performances that might have been obtained from two well-directed acrobats. Andrei Moskvin’s photography, as romantic or grotesque as the scenes call upon it to be, maintains the cloak’s character as afetish, observing the clerk with heroic and powerful camera-angles so long as he is wrapped in it, and photographing him mercilessly from above after it is taken from him. Moskvin’s treatment of the robbery in the snow is especially expressive. Enei, the designer, assisted both the spirit and the functioning of the film by sharply characterized interiors and street scenes.
Jay Leyda, Kino: A History of the Russian and Soviet Film. Princeton, New Jersey, 1960