Bücherwurm Vasja schwelgt ständig in Tagträumen. Inspiriert von Romanen wie Robinson Crusoe erlebt er in seiner Fantasie die wildesten Abenteuer. Als sich Vasja eines Tages auf ein echtes Abenteuer begibt, muss er sich der ernüchternden Erkenntnis stellen, dass das wirkliche Leben ganz anders ist. Dieser bezaubernde Kinderfilm beeindruckt durch seine geschickte Inszenierung und raffinierte Kameraarbeit sowie durch die talentierten Kinderdarsteller. 2025 restaurierte das Bundesarchiv SAM SOBI ROBINZON im Rahmen eines Projekts zur Sicherung von seltenen Filmen aus seinem Bestand mit ukrainischem Bezug. (607 Zeichen)
Dies ist ein wunderschöner Film, der hauptsächlich in der freien Natur der Ukraine spielt. Regisseur Lazar Frenkel hat ein hervorragendes Gespür für Bildkomposition, dafür, wie und wann er die Kamera bewegt, und dafür, wann er plötzliche, rasante Montagen einsetzt. Allein als Mittel, um die Vergangenheit an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit zu betrachten, ist dieser Film ein absolutes Juwel. Und wir sehen diese nicht durch eine didaktische Linse oder die ausgeklügelte Choreografie der Propaganda, sondern durch eine Art kindliche Freude daran, neue Menschen kennenzulernen und neue Orte zu sehen. Die sonnenverwöhnten Landschaften sind fabelhaft, ebenso wie das geschäftige Treiben auf den Straßen und deren Staub spürbar und lebendig ist. Ich muss hinzufügen, dass es, obwohl der Film überwiegend durch Bilder erzählt wird, einige großartige Dialogmomente gibt. Als Vasia von einem einheimischen Kind geholfen wird, sagt er fröhlich zu ihm: „Du wirst mein Freitag sein.“ „Aber heute ist Donnerstag“, antwortet das verwirrte Kind.
SEIN EIGENER ROBINSON ist ein zutiefst erfrischender und lohnender Film.
Paul Cuff, therealmofsilence.com, 7.10.2025. Übersetzung aus dem Englischen
Robinson is a witty children’s comedy that parodies American Westerns and adventure films with colonial themes. Structuring the film in flashbacks, Frenkel skillfully blends documentary tiger-safari footage and location shooting, with the use of various filters or Vaseline applications to the camera lens to achieve a sfumato effect distinctive for Ukrainian cinema poetic style. The film was aimed at “debunking the deceptive bourgeois romanticism of Robinsonade” (a literary and cinema sub-genre) and its replacing with the ideologically relevant collectivist romance of the Pioneers. Despite a clear ideological mandate, Frenkel, like his fellow Ukrainian Futurists, fascinated by American culture and the spirit of adventure, failed to critically diminish the topic. Instead, his approach was rather apologetic, which irritated some members of the VUFKU approval commission. Nevertheless, the commission praised the film as “the best of all previous VUFKU children’s films,” particularly noting excellent direction and cinematography, and accepted it on 16 October 1929. Despite the largely favorable reaction of the Ukrainian censors, the film was soon declared “harmful” by the Russian Repertoire Committee, and eventually shelved. In 1930, after Ukrainian sovereign film production was ultimately subordinated to the All-Union Soyuzkino, the film was also withdrawn from circulation in Ukraine.
Ivan Kozlenko, Le Giornate del cinema muto, Pordenone, 2025