Im zweiten Teil von GÖSTA BERLING spitzt sich die Lage zu. In einer atemberaubenden Verfolgungsjagd fliehen Gösta und Elisabeth vor hungrigen Wölfen über einen zugefrorenen See und Schloss Ekeby steht in Flammen. Wird sich das Schicksal noch wenden? Der spektakuläre Brand von Ekeby gilt als die teuerste Szene, die bis dahin in Schweden gedreht wurde. Nach seiner Premiere wurde der Zweiteiler zu einem Film zusammengekürzt und war lange Zeit nur als Schwarzweiß-Kopie verfügbar. Nun liegt GÖSTA BERLING in einer restaurierten Fassung vor, die der Originallänge am nächsten kommt und die ursprünglichen Viragen wiedergibt.
Dies mächtige Werk zu verfilmen, unternahm der beste Regisseur der Schweden, Mauritz Stiller, dem wir die ausgezeichnetsten, in ihrer Einheit unübertrefflichen Filme seiner nordischen Heimat verdanken. Er hat die Motive zusammengedrängt, verschoben, den Gang der Ereignisse umgewandelt, weil literarische Werke niemals im Film mit den Akzenten wirken können, die uns beim Lesen berauschen, weil die Phantastik des Romans vom stummen Lichtbild nicht dargestellt werden kann. […] Trotzdem – auf den, der das Werk der schwedischen Dichterin nicht kennt, wirken auch in dieser Fassung die ungeheuren Erlebnisse hinreißend.
Technisch hat Stiller viel von den Amerikanern gelernt, auch die weichen Großaufnahmen, die an den wirksamsten Stellen eingesetzt sind; die Massendarstellungen, die fabelhaften Brandszenen standen auf der Höhe der Anforderungen, die man an einen so hervorragenden Film stellen kann.
Vossische Zeitung, 21.8.1924
Den Gösta gibt Lars Hanson in einer unwiderstehlichen Melodie von Leidenschaft, Schönheit, Stolz und Demütigung. Er ist die bildgewordene Melodie der Jugend und der Liebe, in jeder Geste Sachlichkeit, Sprache, Überredung. Daneben als Herrin von Ekeby Gerda Lundequist Dahlström, eine Darstellerin von seltener Wandlungsfähigkeit des Ausdrucks, Jugend und Alter in sich zusammenfassend. Neben der bekannten Tänzerin Jenny Hasselquist, deren mimische Schmiegsamkeit sich aufs neue erprobt, begegnet als Gräfin Elisabeth eine neue schwedische Darstellerin, Grethe (!) Garbo, von einem mit [der Schwedin] Toja Tere vergleichbaren Reiz der Bewegung und noch mehr der Erscheinung, der irgendwie den Begriff des Unendlichen der Frau im Film erfüllt.
Münchner Neueste Nachrichten, 13.9.1924
The most thoughtful [Swedish] review of the film was contributed by Dr. Bengt Idestam-Almquist, writing under his nom de plume, “Robin Hood.” He, like the majority of critics, took the position that while the film was “no masterpiece … it is, of course, in spite of its faults, one of the really great movies.”
Neither “Robin Hood” nor any of the other critics devoted much space in their reviews to the newcomer Greta Garbo. Though her notices were small, they were on the whole good. The critics balanced criticism of her acting against enthusiasm for her appearance. “Robin Hood’s” comment is typical. After the usual hedging statement that “it is too early to say much about Greta Garbo,” he went on to observe: “She has several opportunities which she does not utilize. Spiritually she is too small for her part. But she is wonderfully beautiful in her Empire gowns and, in spite of her still-life acting, she is one of the bright spots in the movie.”
[…] The interest of the modern viewer is, of course, to try to detect in the original Garbo evidence of those qualities that contributed to the Garbo of legend, the one whose image is enshrined in the minds of an admiring generation. Any resemblance between the two is almost purely coincidental.
John Bainbridge, Garbo. Garden City, N.Y., 1955