Die Zwillinge Adam und Eva sind sich zum Verwechseln ähnlich. Die spitzbübische Eva nutzt dies für Streiche, die Adam ausbaden muss. Als die Geschwister erwachsen werden, dreht Adam den Spieß um: Er verkleidet sich als Eva, um deren Verehrer zu erschrecken. In der unkonventionellen Crossdressing-Komödie, die mutig mit Geschlechterstereotypen spielt und zu queeren Lesarten einlädt, brilliert Suzanne Marwille als Eva und Adam. Beeindruckend wechselt sie zwischen weiblichen und männlichen Posen, Gesten und Kostümen. Die vielbegabte Marwille, die als erste tschechische Filmdiva gilt, verfasste auch das Drehbuch.
Ein charmantes und freches Spiel mit Geschlechterstereotypen, das im Hintergrund die Frage aufwirft, ob männliche und weibliche Identitäten sich aus Kleidung und Verhalten ableiten oder vielmehr aus ihren Wünschen, Bedürfnissen und den Rollen, die sie einnehmen. Neben dem häufigen Wechsel von Kleidung und Frisuren wird der performative Charakter des Geschlechts auch dadurch betont, dass die vierte Wand mehrmals durchbrochen wird, wobei Suzanne Marwille als Adam/Eva direkt in die Kamera blickt, um Bestätigung für ihre Identität zu suchen, was widerspiegelt, dass hier Genderzugehörigkeit reflektiert wird und eine Rolle spielt.
Das gelungene Stück zu einem brisanten Thema, das leicht geschmacklos hätte ausfallen können, wurde 1922 auch in einer namentlich nicht gezeichneten Rezension in der Zeitschrift „Film“ gewürdigt: „In der Doppelrolle als Adam und Eva erwies sich Suzanne Marwille erneut als Filmkünstlerin von herausragender Qualität, deren künstlerisches Wesen von Witz und Humor geprägt ist. Die Art und Weise, wie sie die Unbeholfenheit betonte, die Adam in Evas Kleidung empfand und umgekehrt, überzeugte das Publikum davon, dass Suzanne Marwilles Kunst große Fähigkeiten auf dem Gebiet der Charakterzeichnung beinhaltet. Ihre Darstellung ist vorwiegend anmutig und überzeugt auch dort, wo die Situation eher riskant und heikel erscheinen könnte.“
Martin Šrajer, Filmový přehled, www.filmovyprehled.cz/en/revue/detail/suzanne-marwille-2, 22.7.2020. Übersetzung aus dem Englischen
The actress, who had originally wanted to devote herself solely to a career in literature, grew up admiring feminist writer Růžena Svobodová, the founder of the magazine “Lípa”, whose work often focused on modern women who did not submit to men. So it is not surprising that, in 1921, she made her screenwriting debut with an adaptation of an anthology of short stories by Svobodová.
[…] As individuals who knew Marwille recollected, she resisted the conventional idea of “womanhood”, and her creative interest in challenging gender roles is evident in the subversive 1922 cross-dressing comedy ADAM A EVA. Marwille based her screenplay on a story by Jarmila Hašková, and the film follows two identical twins who play pranks on each other by pretending to be one another in order to get away with something, eventually sabotaging each other’s efforts to establish a romantic relationship. The twins as children are played by Marwille’s daughter Marta. Their sixteen-year-old teenage versions are played by Marwille, who switches between female and male poses, gestures, and costumes with extraordinary vigor. The film boldly plays with gender stereotypes, raising the question of whether the male and female identities are derived from clothes and behavior rather than any biological predispositions.
Martin Šrajer, Women Film Pioneers Project, wfpp.columbia.edu/pioneer/suzanne-marwille, 2020