BÉHULA basiert auf einer bengalischen Legende über die Schlangengöttin Manasa. Ein Kaufmann, der sich ihr verweigert, erhält eine tragische Lektion. Erst der Glaube und Elan seiner Schwiegertochter Béhula können die Göttin besänftigen. Als Titelfigur brilliert die anglo-indische Schauspielerin Patience Cooper, Indiens erster weiblicher Filmstar. Regie führte der französische Pathé-Kameramann Camille Legrand, der das mythologische Drama für den Kinomogul Jamshedji Framji Madan in Kalkutta realisierte. Ein visuelles Erlebnis und seltenes Werk des indischen Stummfilms, dessen Produktion fast vollständig verschollen ist.
Aus der umfangreichen Filmproduktion, die während der Stummfilmzeit in Indien entstand und von der leider ein Großteil verloren ging, ist auf wundersame Weise BÉHULA erhalten geblieben, ein Spielfilm, den Camille Legrand 1921 in Indien für die Madan Theatres Ldt. Studios drehte, die zu dieser Zeit die indische Filmlandschaft dominierten, indem sie Produktion, Vertrieb und Vorführung unter einem Dach vereinten. Der „unermüdliche Filmemacher“, wie ihn seine Biografin Jitka de Préval nennt, kannte Indien bestens, da er dort als Kameramann für Pathé zwischen 1905 bis 1920 mehrere längere Aufenthalte verbracht hat. 1921 verließ Legrand Pathé und ging eine Partnerschaft mit J. F. Madan ein, dem Besitzer der gleichnamigen Kinos und eines Studios, für den er in Kalkutta mindestens fünf Filme drehte, entweder allein oder in Zusammenarbeit mit dem bengalischen Regisseur Jyotish Banerjee.
Für BÉHULA, eine Adaption einer bengalischen Legende aus dem „Manasa Mangala“, dem epischen Zyklus, der der Schlangengöttin Manasa gewidmet ist, engagierte er für die Titelrolle einen der anglo-indischen Stars der Madan-Studios, Patience Cooper. Die 1905 in Kalkutta als Tochter einer Familie aus der irakisch-jüdischen Diaspora geborene älteste und mit Abstand bekannteste der „Cooper-Schwestern“ (Patience, Violet und Pearl) debütierte als Tänzerin am Theater und wurde schnell vom Kalkutta-Studio entdeckt. Als eine der Vertreterinnen jener Generation anglo-indischer Schauspielerinnen und „Modern Girls“, die durch eine eher europäische Erziehung und einen blassen Teint für das frühe indische Kino besonders attraktiv waren, trat Patience Cooper in drei der insgesamt fünf indischen Filme von Legrand auf.
www.fondation-jeromeseydoux-pathe.com/cms/restaurations, 2021. Übersetzung aus dem Französischen
From the prolific film production in India during the silent period, most of which has disappeared, we miraculously came upon BÉHULA, filmed in India by Camille Legrand in 1921 for Madan Theatres Ltd studios. As a camera operator for Pathé from 1905 to 1920, Legrand knew India well, having spent long periods in the country. In 1921 he joined forces with J.F. Madan, with whom he made at least five films in Calcutta. For BÉHULA, adapted from a Bengali legend in the Manasa Mangal – the epic cycle dedicated to the Snake Goddess, Manasa – he called in one of Madan studios’ Anglo-Indian stars, Patience Cooper. Born in Calcutta in 1905, her family were part of the Jewish-Iraqi diaspora. She was the best-known of the Cooper sisters (Patience, Violet and Pearl), and she started out as a dancer on the stage. Like Ruby Meyers (aka Sulochana), Cooper belonged to that generation of ‘modern girls’ whose European education and pale complexion made them more attractive to early Indian cinema. The exterior locations echo the context in which the film was shot, with swaying cardboard sets animated by the breeze and the impromptu presence of passers-by finding their way into the storyline.
Pénélope Riboud-Seydoux, Il Cinema Ritrovato, Bologna, 2022